Foto: Susanne Kuhlmann

St. Johannis Kirche Oederquart

Die St.Johannis Kirche zu Oederquart wurde erstmals 1330 urkundlich erwähnt. Die für unser Dorf ungewöhnlich große Kirche ist vom ehemaligen Friedhof umgeben auf einer allseitig ansteigenden, von Linden umstandenen Wurt. Die Kirche ist ein einschiffiger, ursprünglich gewölbter Backsteinbau, von dem sich besonders der mächtige Westturm hervorhebt, in seinem achteckigen Obergeschoss aus großformatigen Backsteinen. Die Kirche und vor allem der Westturm hat über die Jahrhunderte eine Reihe von Reparatur- und Umbauten bekommen. Das heutige Kirchengebäude hat einen mittelalterlichen, gotischen Kern.

Betritt man das Innere, so fällt der Blick auf das große Altarbild, mit Holzreliefs und Figuren aus dem späten Mittelalter. Sie gehören zu zwei verschiedenen Mariealtären. Es ist anzunehmen, dass Teile auch von dem Altarbild der verschwundenen Marienkapelle stammen, die früher vermutlich auf der noch erhaltenen Wurt im Park des Gutes Oerichsheil stand. Zu sehen sind verschiedene Reliefs und Figuren in unterschiedlichen Größen, die zwischen 1420 bis 1530 entstanden sind. In der Mitte befindet sich eine Kreuzigungsgruppe mit Mutter Maria und dem Christus-Kind. Darüber ist ein Kruzifix mit Maria und Johannes.
Die Reliefs zeigen die Verkündigung Mariae, die Geburt Jesu, die Anbetung der Könige und die Darstellung im Tempel.

Das Bronzetaufbecken stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Der Taufkessel wird getragen von vier Figuren mit je 37 cm Höhe, die auf einem Bodenring stehen, jeweils die zwei gegenüberstehenden wurden aus dem gleichen Model gegossen. An der Beckenwandung finden sich Petrus, Paulus und zwei weitere, unbekannte Heilige (je 12 cm hoch), dazwischen 23 cm hohe Relieffiguren, die den thronenden Christus darstellen. Um den Taufkessel herum zieht sich eine spiegelbildliche Inschrift: „Qui baptizatur hoc sacro fonte lavatur.“ (Übersetzt bedeutet es: "Wer in diesem heiligen Quell getauft wird, der wird rein gewaschen.") und der Namen des Täufers "J O H A N N E S".

Die Kanzel wurde im Jahr 1695 vom Bildhauer Johann Conrad Wilkens aus Stade gebaut. Der Kanzelkorb und die Treppe ist durch Säulen gegliedert, in den Fächern am Korb mit Darstellungen der vier Evangelisten, in deren Mitte die Darstellung Christi als Heiland der Welt (Salvator Mundi). In den Fächern der Kanzeltreppe sind 3 unbekannte Heilige dargestellt. Der Kanzeldeckel ist ebenfalls dekorativ gestaltet, von den Ecken gehen kräftige Volutenarme aus, die eine Kugel tragen, auf der die Figur des auferstanden Christus steht.  Der Kanzeldeckel ist mit dem Spitzbogen zwischen Langhaus und Chor verbunden.

Die Kreuzigungsgruppe an der nördlichen Chorwand besteht aus lebensgroßen vollplastischen Figuren aus Eichenholz. Dargestellt werden Christus, Maria und Johannes. Sie stammt aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts

Auf dem Ölgemälde auf der Südwand ist der Einzug Christi in Jerusalem dargestellt. Im hölzernen Rahmen die Inschrift „Siehe, dein König kommt zu Dir! Ehre sei Gott in der Höhe“. Das Bild stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und war früher (vor 1952) Teil des Altars.

Quelle: Die Kunstdenkmale des Landkreises Stade von Carl-Wilhelm Clasen, Dieter Großmann und Gottfried Kiesow, Deutscher Kunstverlag 1965